Zum Inhalt springen
NEXVILO Next · virtuell · lokal – Digital-Alltag verständlich

Digitales Leben

Videotelefonie leicht gemacht: Die richtige App, der erste Anruf und Tipps für Bild und Ton

Welche App für Videoanrufe passt, wie der erste Anruf mit WhatsApp, FaceTime oder per Link gelingt, wie Bild und Ton besser werden und wie du Videotelefonie für ältere Angehörige einrichtest.

Von der NEXVILO Redaktion · · 8 Min. Lesezeit

Die Enkel winken aus der anderen Stadt, die Freundin zeigt ihren neuen Garten, das Team bespricht die Woche, und die Hausärztin nimmt sich Zeit für ein kurzes Gespräch, ohne dass jemand ins Wartezimmer muss: Videotelefonie bringt Menschen zusammen, die sonst nur telefonieren oder sich selten sehen würden. Was vor einigen Jahren noch kompliziert war, funktioniert heute mit fast jedem Smartphone, Tablet oder Laptop. Trotzdem gibt es immer wieder Hürden. Welche App soll man nehmen? Warum ruckelt das Bild? Warum hört der andere nur ein Rauschen? Diese Anleitung erklärt Schritt für Schritt, wie Videoanrufe gelingen, wie Bild und Ton besser werden und wie du auch älteren Angehörigen den Einstieg leicht machst.

Was du brauchst

Für einen Videoanruf brauchst du im Grunde nur drei Dinge: ein Gerät mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher, eine Internetverbindung und eine App, die beide Gesprächspartner nutzen.

  • Smartphone: Ideal für spontane Anrufe unterwegs. Die vordere Kamera ist heute in fast allen Geräten gut genug.
  • Tablet: Der größere Bildschirm ist besonders angenehm für längere Gespräche und für Menschen, die schlechter sehen. Mit einem Ständer muss niemand das Gerät halten.
  • Laptop oder Computer: Gut geeignet für berufliche Gespräche, Videokonferenzen mit vielen Personen und wenn Dokumente gezeigt werden sollen.
  • Internet: Am besten ist ein stabiles WLAN. Unterwegs reichen auch mobile Daten, wenn der Empfang gut ist.

Ein Kopfhörer mit Mikrofon ist kein Muss, verbessert die Tonqualität aber oft deutlich. Schon die einfachen Kopfhörer, die vielen Smartphones beiliegen oder als kabellose Variante verbreitet sind, verhindern Echos und Rückkopplungen.

Die passende App wählen

Die wichtigste Regel lautet: Nimm die App, die deine Gesprächspartner schon haben. Die beste Technik nützt nichts, wenn die andere Seite sie erst installieren und verstehen muss. Die folgende Übersicht zeigt die verbreitetsten Möglichkeiten.

AppGeeignet fürBesonderheiten
WhatsAppFamilie und Freundesehr verbreitet, Gruppenanrufe mit bis zu 32 Personen, Ende-zu-Ende-verschlüsselt
FaceTimeApple-Nutzer untereinanderdirekt im iPhone, iPad und Mac eingebaut, Android- und Windows-Nutzer können über einen Link im Browser teilnehmen
SignalWer besonderen Wert auf Datenschutz legtEnde-zu-Ende-verschlüsselt, sammelt sehr wenige Daten
Google MeetTreffen per Linkläuft im Browser ohne Installation, auf Android oft vorinstalliert
Zoom und Microsoft TeamsBeruf, Vereine, Kurse und größere RundenEinladung per Link, viele Funktionen für Konferenzen

Wer früher Skype genutzt hat, muss umsteigen. Microsoft hat Skype im Mai 2025 eingestellt und empfiehlt stattdessen die kostenlose Version von Microsoft Teams. Kontakte und Chatverläufe konnten dorthin übernommen werden.

Schritt für Schritt: der erste Videoanruf

Mit WhatsApp

  1. Öffne WhatsApp und tippe auf den Chat mit der Person, die du anrufen möchtest.
  2. Tippe oben rechts auf das Kamerasymbol. Der Anruf startet sofort.
  3. Beim ersten Mal fragt das Smartphone, ob WhatsApp auf Kamera und Mikrofon zugreifen darf. Bestätige beides.
  4. Während des Gesprächs kannst du mit den Symbolen unten die Kamera wechseln, das Mikrofon stumm schalten oder auflegen.

Für einen Gruppenanruf öffnest du einen Gruppenchat und tippst dort auf das Kamerasymbol, oder du fügst während eines laufenden Anrufs weitere Teilnehmende hinzu.

Mit FaceTime

  1. Öffne die App FaceTime auf dem iPhone, iPad oder Mac.
  2. Tippe auf „Neues FaceTime“ und gib den Namen, die Telefonnummer oder die E-Mail-Adresse der Person ein.
  3. Tippe auf die grüne Schaltfläche mit dem Kamerasymbol.

Möchtest du jemanden ohne Apple-Gerät einladen, tippe auf „Link erstellen“ und verschicke den Link zum Beispiel per Nachricht. Die andere Person öffnet ihn im Browser, gibt ihren Namen ein und wird dann von dir ins Gespräch gelassen.

Bei Videokonferenzen bekommst du meist eine Einladung mit einem Link. Ein Klick darauf öffnet die Konferenz im Browser oder in der App. Oft erscheint zuerst eine Vorschau, in der du Kamera und Mikrofon prüfen kannst, bevor du beitrittst. Es lohnt sich, den Link ein paar Minuten vor Beginn zu öffnen. So bleibt Zeit, falls die App erst installiert oder eine Berechtigung erteilt werden muss.

Gut aussehen und gut klingen

Mit wenigen Handgriffen wirkt ein Videoanruf deutlich angenehmer, für dich und für dein Gegenüber.

  • Licht von vorn: Setze dich so, dass das Licht, etwa von einem Fenster, auf dein Gesicht fällt. Ein helles Fenster im Rücken macht dich zum dunklen Schatten.
  • Kamera auf Augenhöhe: Stelle Smartphone, Tablet oder Laptop so auf, dass die Kamera ungefähr auf Höhe deiner Augen ist. Ein Stapel Bücher wirkt Wunder. So schaut niemand von unten in dein Gesicht.
  • Gerät abstützen: Ein Ständer oder eine Halterung verhindert verwackelte Bilder und schont die Arme.
  • Ruhige Umgebung: Schließe Fenster zur Straße, schalte Radio und Fernseher aus und wähle einen Raum mit wenig Hall.
  • Stummschalten: In größeren Runden schaltest du dein Mikrofon stumm, wenn du nicht sprichst. So stören Hintergrundgeräusche niemanden.
  • Hintergrund: Viele Apps können den Hintergrund unscharf machen oder ersetzen. Das ist praktisch, wenn die Wohnung gerade nicht aufgeräumt ist.
  • In die Kamera schauen: Wenn du sprichst, schaue ab und zu direkt in die Kamera statt auf das Bild deines Gegenübers. Dann wirkt es so, als würdest du der Person in die Augen sehen.

Videotelefonie für ältere Angehörige einrichten

Für viele ältere Menschen ist der Videoanruf mit der Familie der schönste Grund, ein Smartphone oder Tablet zu nutzen. Damit es wirklich klappt, sollten Angehörige das Gerät gut vorbereiten.

Ein Tablet mit großem Bildschirm und einem stabilen Ständer ist oft die beste Wahl, weil niemand das Gerät halten muss und die Gesichter groß zu sehen sind. Lege auf dem Startbildschirm nur die wichtigsten Apps ab, vor allem die App für Videoanrufe. Stelle Schrift und Lautstärke groß ein und lege die Familienmitglieder als Favoriten an.

Es hilft sehr, wenn die ältere Person Anrufe nur annehmen muss, statt selbst anzurufen. Vereinbart feste Zeiten, etwa sonntags nach dem Kaffee, damit das Gerät dann geladen und in Reichweite ist. Beim iPhone und iPad gibt es in den Bedienungshilfen zudem eine Einstellung, mit der Anrufe nach einigen Sekunden automatisch angenommen werden. Das kann für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit eine große Erleichterung sein, sollte aber nur mit deren Einverständnis eingeschaltet werden.

Übt den ersten Anruf gemeinsam, am besten vor Ort. Ein kleiner Zettel neben dem Gerät mit dem Satz „Grünen Knopf drücken, um anzunehmen“ gibt Sicherheit, wenn später niemand daneben sitzt.

Datenverbrauch und Verbindung

Videotelefonie braucht deutlich mehr Daten als ein normales Telefonat. Je nach Qualität verbraucht ein Videoanruf grob mehrere Hundert Megabyte pro Stunde. Wer unterwegs häufig per Video telefoniert, sollte deshalb ein ausreichendes Datenvolumen haben oder Anrufe möglichst im WLAN führen. Viele Apps bieten in den Einstellungen eine Option, um im Mobilfunknetz weniger Daten zu verbrauchen, zum Beispiel bei WhatsApp unter „Speicher und Daten“.

Ruckelt das Bild oder bricht der Ton ab, liegt es meist an der Verbindung. Geh näher an den WLAN-Router, schließe andere Apps, die gerade Daten laden, und bitte andere Personen im Haushalt, während des Gesprächs keine großen Videos zu streamen. Hilft das nicht, schalte die Kamera kurz aus. Der Ton läuft dann meist stabiler weiter.

Sicherheit und Privatsphäre

Videoanrufe bei WhatsApp, FaceTime und Signal sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Das bedeutet, dass nur die Gesprächspartner Bild und Ton sehen und hören können, nicht der Anbieter. Bei Videokonferenzen per Link solltest du zusätzlich auf ein paar Punkte achten.

  • Teile Einladungslinks nur mit den Personen, die wirklich teilnehmen sollen, und nicht öffentlich in sozialen Netzwerken.
  • Nutze bei eigenen Konferenzen einen Warteraum oder ein Kennwort, damit niemand ungefragt hereinplatzt.
  • Prüfe vor dem Gespräch, was im Hintergrund zu sehen ist, etwa Briefe, Fotos oder Notizen mit persönlichen Daten.
  • Nimm Gespräche nur auf, wenn alle Beteiligten einverstanden sind.
  • Sei misstrauisch, wenn dich Unbekannte per Videoanruf kontaktieren. Betrüger nutzen Videoanrufe zunehmend für Erpressung oder für vorgetäuschte Notlagen.

Videosprechstunde beim Arzt

Viele Arztpraxen und Psychotherapeuten bieten inzwischen Videosprechstunden an, zum Beispiel für Befundbesprechungen, Folgetermine oder Beratungen. Die Praxis schickt dir dafür einen Link zu einem zertifizierten Videodienst. Die Kosten übernimmt bei gesetzlich Versicherten die Krankenkasse wie bei einem normalen Termin. Für die Videosprechstunde gelten dieselben Tipps wie für jeden anderen Videoanruf: ruhiger Raum, gutes Licht, stabile Verbindung. Halte außerdem deine Versichertenkarte, Medikamentenliste und Fragen bereit.

Häufige Probleme und schnelle Lösungen

  • Der andere sieht mich nicht: Prüfe, ob die Kamera in der App eingeschaltet ist und ob die App in den Einstellungen des Geräts Zugriff auf die Kamera hat.
  • Der andere hört mich nicht: Prüfe das Mikrofonsymbol in der App. Ist ein Kopfhörer verbunden, kommt der Ton vielleicht über dessen Mikrofon.
  • Es gibt ein Echo: Meist kommt der Ton aus dem Lautsprecher eines Teilnehmers ins Mikrofon zurück. Ein Kopfhörer oder eine geringere Lautstärke hilft.
  • Das Bild ist dunkel: Mehr Licht von vorn, Fenster nicht im Rücken.
  • Der Anruf kommt nicht an: Prüfe, ob beide Seiten mit dem Internet verbunden sind und ob die App aktualisiert ist.

Häufige Fragen

Kostet Videotelefonie etwas? Die gängigen Apps sind kostenlos. Es fallen nur die Kosten für die Internetverbindung an. Im WLAN zu Hause entstehen meist keine zusätzlichen Kosten.

Kann ich von einem iPhone aus jemanden mit Android per Video anrufen? Ja, zum Beispiel mit WhatsApp, Signal oder Google Meet. Auch FaceTime funktioniert über einen Link, den die Android-Person im Browser öffnet.

Wie viele Personen können gleichzeitig teilnehmen? Bei WhatsApp sind es bis zu 32 Personen. Dienste wie Zoom, Teams oder Meet eignen sich für deutlich größere Runden.

Geht Videotelefonie auch auf dem Fernseher? Manche Smart-TVs und Streaming-Geräte unterstützen Videoanrufe mit einer zusätzlichen Kamera. Einfacher ist es oft, das Bild des Smartphones oder Tablets auf den Fernseher zu übertragen.

Was mache ich, wenn das Bild einfriert? Warte einige Sekunden, oft erholt sich die Verbindung von selbst. Hilft das nicht, schalte die Kamera aus und wieder ein oder beende den Anruf und starte ihn neu.

Fazit

Videotelefonie ist heute einfacher denn je. Entscheidend ist, eine App zu wählen, die alle Beteiligten schon nutzen, und das Gerät gut vorzubereiten: Kamera auf Augenhöhe, Licht von vorn, ruhige Umgebung und eine stabile Internetverbindung. Mit einem Tablet auf einem Ständer, großen Symbolen und festen Anrufzeiten gelingt der Einstieg auch für ältere Angehörige. Wer zusätzlich auf Datenverbrauch und Privatsphäre achtet, kann die Vorteile ganz entspannt genießen: Menschen sehen, die weit weg sind, und ihnen ein Stück näher sein.

Der Weg geht weiter

Das könnte dir auch helfen