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KI im Alltag

Datenschutz bei KI: Was du ChatGPT und Co. erzählen solltest und was besser nicht

Was mit deinen Eingaben bei KI-Assistenten passiert, welche Daten tabu sind, wie du Training und Verlauf abschaltest, Dokumente vorher schwärzt und KI auch lokal auf dem eigenen Gerät nutzt.

Von der NEXVILO Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

KI-Assistenten sind erstaunlich gute Zuhörer. Man erzählt ihnen von der Streitigkeit mit dem Vermieter, lädt den Arztbrief hoch, fügt die Gehaltsabrechnung ein oder bittet um Hilfe bei einer heiklen E-Mail an die Chefin. Was dabei leicht vergessen wird: Alles, was du eintippst oder hochlädst, landet zunächst auf den Servern eines Unternehmens. Dort kann es gespeichert, ausgewertet und je nach Einstellung sogar zum Training künftiger Modelle verwendet werden. Diese Anleitung erklärt, was mit deinen Eingaben passiert, welche Daten du nie teilen solltest, wie du die Einstellungen datenschutzfreundlich wählst und wie du KI trotzdem für sensible Aufgaben nutzen kannst.

Was mit deinen Eingaben passiert

Wenn du einem KI-Assistenten eine Frage stellst, wird dein Text, zusammen mit hochgeladenen Dateien, Bildern oder Sprachaufnahmen, an die Server des Anbieters übertragen. Dort erzeugt das Modell die Antwort. Was danach mit den Daten geschieht, hängt vom Anbieter, deinem Konto und deinen Einstellungen ab:

  • Gesprächsverlauf: Die meisten Dienste speichern deine Unterhaltungen, damit du sie später wieder aufrufen kannst.
  • Training: Bei vielen kostenlosen und privaten Konten können Gespräche genutzt werden, um künftige Modelle zu verbessern, sofern du das nicht abschaltest.
  • Menschliche Überprüfung: Ausgewählte Gespräche können von Mitarbeitenden oder Dienstleistern gelesen werden, etwa zur Qualitätskontrolle oder um Missbrauch zu erkennen.
  • Sicherheitsaufbewahrung: Auch wenn du Gespräche löschst, behalten manche Anbieter sie noch eine Zeit lang, etwa 30 Tage, um Missbrauch zu prüfen.
  • Speicherort: Viele Anbieter verarbeiten Daten in den USA. Für Unternehmen gibt es oft Verträge mit Datenverarbeitung in der EU.

Das bedeutet nicht, dass jemand gezielt deine Gespräche liest. Es bedeutet aber, dass du sie nicht wie ein Selbstgespräch behandeln solltest.

Was du niemals eingeben solltest

Diese Daten gehören grundsätzlich nicht in einen KI-Chat:

DatenartWarum nicht
Passwörter, PINs, TANs, WiederherstellungscodesWer sie kennt, kommt an deine Konten
Kontonummern, KreditkartendatenMissbrauch für Zahlungen und Betrug
Ausweis-, Pass- und SteuernummernIdentitätsdiebstahl
Gesundheitsdaten mit NamenBesonders schützenswert, lassen sich dir zuordnen
Vertrauliche FirmendatenVerstoß gegen Arbeitsvertrag und Geschäftsgeheimnisse
Daten anderer MenschenSie haben nicht zugestimmt
Intime Fotos und private Bilder andererPersönlichkeitsrechte, Missbrauchsgefahr

Faustregel: Gib nichts ein, was du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest.

Die richtigen Einstellungen

Bei den großen Anbietern kannst du einiges selbst steuern. Die Menüs ändern sich regelmäßig, die Optionen ähneln sich aber:

Training abschalten

  • ChatGPT: In den Einstellungen unter Datenkontrollen findest du eine Option wie „Das Modell für alle verbessern“. Schalte sie aus, wenn deine Gespräche nicht zum Training genutzt werden sollen. Außerdem gibt es temporäre Chats, die nicht im Verlauf erscheinen und nicht zum Training dienen.
  • Google Gemini: Unter Aktivitäten in Gemini-Apps kannst du festlegen, ob Gespräche gespeichert werden, und eine automatische Löschfrist wählen.
  • Microsoft Copilot: In den Datenschutzeinstellungen des Microsoft-Kontos lässt sich das Training mit deinen Gesprächen ablehnen.
  • Andere Anbieter wie Claude oder Le Chat bieten ähnliche Schalter in ihren Datenschutz- oder Kontoeinstellungen.

Verlauf aufräumen

Lösche regelmäßig Gespräche, die du nicht mehr brauchst, besonders solche mit persönlichen Inhalten. Viele Dienste haben eine Funktion, um alle Unterhaltungen auf einmal zu löschen.

Gedächtnis-Funktionen prüfen

Einige Assistenten merken sich Informationen über dich über einzelne Gespräche hinaus, etwa deinen Beruf, deine Familie oder Vorlieben. Das ist bequem, bedeutet aber, dass ein Profil entsteht. In den Einstellungen kannst du sehen, was gespeichert ist, einzelne Einträge löschen oder die Funktion abschalten.

Konto absichern

Dein KI-Konto enthält womöglich sehr persönliche Gespräche. Schütze es mit einem eigenen, langen Passwort und der Zwei-Faktor-Anmeldung, genauso wie dein E-Mail-Postfach.

Sensible Dokumente sicher nutzen: schwärzen statt hochladen

Oft möchtest du gerade bei heiklen Texten Hilfe: einen Brief der Krankenkasse verstehen, einen Arbeitsvertrag erklären lassen, eine Beschwerde an den Vermieter formulieren. Das geht auch datensparsam:

  1. Nur den nötigen Teil kopieren. Statt des ganzen Dokuments reicht oft der Absatz, um den es geht.
  2. Persönliches ersetzen. Ersetze Namen durch [Name], Adressen durch [Adresse], Vertrags- und Versichertennummern durch [Nummer], Geldbeträge bei Bedarf durch ungefähre Werte.
  3. Bilder prüfen. Wenn du ein Foto eines Briefes hochlädst, schwärze vorher Kopfzeile, Adressfeld und Barcodes, etwa mit der Markierungsfunktion deines Smartphones.
  4. Zusammenhang statt Details. „Mein Vermieter verlangt eine Nachzahlung von etwa 600 Euro für Heizkosten“ reicht für eine gute Antwort, die genaue Abrechnung mit allen Namen nicht.

So bekommst du dieselbe Hilfe, ohne dass identifizierbare Daten übertragen werden.

Fotos und Sprachaufnahmen

Viele Assistenten können Bilder analysieren und Sprache verarbeiten. Denke daran:

  • Fotos enthalten mehr, als man denkt: Gesichter anderer Menschen, Hausnummern, Autokennzeichen, Dokumente im Hintergrund und manchmal Ortsangaben in den Bilddaten.
  • Sprachmodus: Wenn du mit dem Assistenten sprichst, werden Audioaufnahmen übertragen. Achte darauf, ob andere Menschen im Raum mitgehört und mitgesprochen werden.
  • Fotos von Kindern gehören grundsätzlich nicht in KI-Dienste, auch nicht zur Bildbearbeitung.

KI im Beruf: Vorsicht mit Firmendaten

Wer KI bei der Arbeit nutzt, sollte die Regeln des Arbeitgebers kennen. Viele Unternehmen erlauben nur bestimmte, vertraglich abgesicherte KI-Dienste oder verbieten das Eingeben von Kundendaten, internen Zahlen und Quellcode in öffentliche Assistenten. Ein Verstoß kann arbeitsrechtliche Folgen haben und gegen die DSGVO verstoßen. Frag im Zweifel bei der IT-Abteilung oder dem Datenschutzbeauftragten nach. Mehr dazu in unserer Anleitung zur KI im Beruf.

Die Alternative: KI auf dem eigenen Gerät

Es gibt inzwischen KI-Modelle, die lokal auf dem eigenen Computer oder Smartphone laufen. Dabei verlassen deine Daten das Gerät nicht.

  • Auf dem Smartphone: Neuere iPhones und Android-Geräte erledigen manche KI-Aufgaben direkt auf dem Gerät, etwa Zusammenfassungen von Benachrichtigungen, Textkorrektur oder Bildbearbeitung. Welche Funktionen lokal laufen und welche in die Cloud gehen, steht in den Datenschutzhinweisen des Herstellers.
  • Auf dem Computer: Programme wie LM Studio, Ollama oder GPT4All ermöglichen es, offene Sprachmodelle herunterzuladen und ohne Internetverbindung zu nutzen. Dafür braucht der Rechner genug Arbeitsspeicher, idealerweise 16 GB oder mehr, und die Modelle sind meist etwas weniger leistungsfähig als die großen Cloud-Assistenten.

Für sehr sensible Aufgaben, etwa das Zusammenfassen privater Dokumente, kann eine lokale KI eine gute Lösung sein.

Worauf du bei der Auswahl eines Anbieters achten kannst

  • Sitz und Datenverarbeitung: Verarbeitet der Anbieter Daten in der EU? Gibt es eine verständliche Datenschutzerklärung auf Deutsch?
  • Training: Werden Gespräche standardmäßig zum Training genutzt, und lässt sich das abschalten?
  • Löschfristen: Wie lange werden Gespräche gespeichert?
  • Unternehmensversionen: Für die Arbeit gibt es oft Business-Versionen, bei denen Daten nicht zum Training genutzt und vertraglich geschützt sind.
  • Seriöse App: Lade nur die offizielle App herunter. Gefälschte KI-Apps sammeln Daten oder verkaufen teure Abos.

Kinder und Jugendliche

Viele KI-Dienste sind erst ab 13 Jahren und mit Zustimmung der Eltern nutzbar, manche erst ab 18. Sprich mit Kindern darüber, dass sie keine Namen, Adressen, Schulen, Fotos oder Geheimnisse in KI-Chats eingeben, und dass ein Chatbot kein Freund ist, auch wenn er freundlich klingt. Gerade bei Begleit-Apps, die eine Freundschaft oder Beziehung simulieren, ist Vorsicht geboten.

Ein Beispiel: Den Brief der Krankenkasse datensparsam verstehen

Angenommen, du hast einen Bescheid deiner Krankenkasse bekommen und verstehst nicht, warum ein Antrag auf Kostenübernahme abgelehnt wurde. So gehst du vor:

  1. Lies den Brief einmal durch und markiere den Abschnitt mit der Begründung.
  2. Tippe nur diesen Abschnitt ab oder kopiere ihn aus dem PDF, ohne Briefkopf, Name, Versichertennummer und Adresse.
  3. Ersetze den Namen deiner Krankenkasse durch „meine Krankenkasse“ und den Namen deiner Ärztin durch „meine Ärztin“.
  4. Frag die KI: „Erkläre mir in einfachen Worten, was diese Begründung bedeutet, welche Möglichkeiten ich habe und bis wann ich reagieren muss. Nenne mir, wo ich mich unabhängig beraten lassen kann.“
  5. Prüfe die genannten Fristen im Originalbrief und hol dir bei Bedarf Rat bei der Unabhängigen Patientenberatung oder der Verbraucherzentrale.

Die KI hat dabei alles, was sie für eine gute Erklärung braucht, aber nichts, womit sich der Brief dir zuordnen ließe.

Auch Erweiterungen und Apps prüfen

Neben den großen Assistenten gibt es unzählige Browser-Erweiterungen, Tastatur-Apps und Zusatzprogramme mit KI-Funktionen, die etwa Texte umformulieren oder Webseiten zusammenfassen. Manche davon lesen alles mit, was du tippst oder auf einer Seite siehst, auch im Online-Banking. Installiere solche Helfer nur von bekannten Anbietern, prüfe ihre Berechtigungen und entferne, was du nicht mehr nutzt.

Häufige Fragen

Kann ich meine Daten beim Anbieter abfragen oder löschen lassen? Ja. Nach der DSGVO hast du ein Recht auf Auskunft und Löschung. Die meisten Anbieter haben dafür Formulare oder Funktionen in den Kontoeinstellungen.

Ist es gefährlich, persönliche Probleme mit einer KI zu besprechen? Viele Menschen nutzen KI, um Gedanken zu ordnen. Das kann helfen. Bedenke aber, dass die Gespräche gespeichert werden können, und gib keine identifizierenden Details preis. Bei ernsten seelischen Belastungen ist ein Mensch der bessere Ansprechpartner, etwa die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

Sind kostenpflichtige Abos datenschutzfreundlicher? Nicht automatisch. Entscheidend sind die Einstellungen und Bedingungen. Business-Versionen bieten meist mehr Schutz als private Abos.

Fazit

Was du einem KI-Assistenten erzählst, wird gespeichert und kann je nach Einstellung zum Training genutzt oder von Menschen gelesen werden. Gib deshalb nie Passwörter, Kontodaten, Ausweisnummern, Gesundheitsdaten mit Namen, Firmengeheimnisse oder Daten anderer ein. Schalte das Training ab, lösche den Verlauf regelmäßig, prüfe die Gedächtnisfunktion und schütze dein Konto. Für sensible Dokumente gilt: schwärzen statt hochladen, oder eine lokale KI auf dem eigenen Gerät nutzen. So bekommst du die Hilfe der KI, ohne deine Privatsphäre aus der Hand zu geben.

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