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Datenschutz am Handy: Die wichtigsten Einstellungen für Android und iPhone
Welche Apps sehen deinen Standort, deine Fotos und dein Mikrofon? So prüfst du App-Berechtigungen, stoppst Tracking und Werbe-IDs und schützt deine Daten auf Android und iPhone.
Dein Smartphone weiß mehr über dich als die meisten Menschen in deinem Leben: wo du wohnst und arbeitest, mit wem du schreibst, welche Fotos du machst, wann du schläfst und wofür du dich interessierst. Viele Apps möchten an diese Informationen heran, oft aus guten Gründen, manchmal aber auch nur, um Werbung zu verkaufen. Die gute Nachricht: Android und iOS geben dir inzwischen sehr genaue Werkzeuge, um zu steuern, wer was sieht. Diese Anleitung zeigt dir, welche Einstellungen den größten Unterschied machen und wie du sie in einer halben Stunde erledigst.
Warum Datenschutz am Handy wichtig ist
Datenschutz heißt nicht, dass du etwas zu verbergen hast. Es geht darum, selbst zu entscheiden, welche Informationen über dich gesammelt werden. Standortdaten zeigen zum Beispiel, wo du wohnst, welchen Arzt du besuchst oder in welche Kirche, Moschee oder Synagoge du gehst. Kontaktlisten verraten dein soziales Umfeld. Fotos enthalten oft Ortsangaben. Solche Daten können an Werbenetzwerke und Datenhändler weitergegeben werden, ohne dass du es merkst.
Ein paar bewusste Entscheidungen reichen, um den größten Teil dieser Datenströme zu stoppen, ohne dass dein Smartphone weniger nützlich wird.
Der schnelle Überblick: Datenschutz-Zentrale
Beide Systeme haben eine zentrale Stelle, an der du alles Wichtige findest:
- iPhone: Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit. Dort siehst du alle Berechtigungen nach Kategorie: Ortungsdienste, Kontakte, Fotos, Kamera, Mikrofon und so weiter. Ganz unten findest du den „App-Datenschutzbericht“, der zeigt, welche Apps in den letzten sieben Tagen auf welche Daten zugegriffen haben.
- Android: Einstellungen > Sicherheit und Datenschutz > Datenschutz oder Einstellungen > Datenschutz, je nach Hersteller. Das „Privacy Dashboard“ zeigt, welche Apps in den letzten 24 Stunden oder sieben Tagen Standort, Kamera und Mikrofon genutzt haben. Unter „Berechtigungsmanager“ siehst du alle Rechte nach Kategorie.
Öffne diese Übersicht einmal in Ruhe und schau, ob dich etwas überrascht. Eine Taschenlampen-App mit Zugriff auf deine Kontakte oder ein Spiel, das ständig deinen Standort abfragt, sind deutliche Warnzeichen.
App-Berechtigungen richtig vergeben
Standort
Der Standort ist die sensibelste Berechtigung. Bei den meisten Apps reicht eine dieser Stufen:
- Nie: für alle Apps, die keinen Grund haben, deinen Ort zu kennen, etwa Spiele, Taschenrechner oder Nachrichten-Apps.
- Beim Verwenden der App: für Karten, Wetter, Lieferdienste und Fahrkarten-Apps.
- Immer: nur für wenige Ausnahmen, etwa eine Familien-Ortungs-App oder eine Smart-Home-App, die beim Nachhausekommen die Heizung steuern soll.
Zusätzlich kannst du bei vielen Apps die genaue Position abschalten. Dann sieht die App nur, in welcher Gegend du bist, nicht aber die Hausnummer. Für Wetter-Apps reicht das völlig.
Fotos
Statt einer App Zugriff auf alle Fotos zu geben, kannst du auf beiden Systemen nur ausgewählte Fotos freigeben. Das ist besonders bei Messengern und sozialen Netzwerken sinnvoll, wenn du nur gelegentlich Bilder teilst. Manche Apps brauchen den Zugriff gar nicht, weil sie den System-Fotoauswähler nutzen.
Kamera und Mikrofon
Kamera und Mikrofon sollten nur Apps nutzen, bei denen der Zweck klar ist: Videotelefonie, Messenger, Kamera-Apps, Sprachaufnahme. Beide Systeme zeigen einen farbigen Punkt oder ein Symbol am oberen Bildschirmrand, wenn Kamera oder Mikrofon gerade aktiv sind. Siehst du diesen Punkt unerwartet, prüfe sofort, welche App dahintersteckt.
Kontakte, Kalender und Nahe Geräte
Wenn du einer App deine Kontakte gibst, gibst du ihr auch die Telefonnummern und E-Mail-Adressen anderer Menschen, die nicht gefragt wurden. Überlege daher gut, welchen Apps du diesen Zugriff erlaubst. Auf dem iPhone kannst du inzwischen ebenfalls nur ausgewählte Kontakte freigeben.
Die Berechtigung „Geräte in der Nähe“ oder „Lokales Netzwerk“ erlaubt Apps, andere Geräte in deinem WLAN oder per Bluetooth zu finden. Das brauchen Smart-Home- und Streaming-Apps, nicht aber Shopping- oder Nachrichten-Apps.
Unbenutzte Apps
Android entzieht Apps, die du monatelang nicht genutzt hast, automatisch ihre Berechtigungen. Prüfe, ob die Funktion „Berechtigungen entfernen, wenn App nicht verwendet wird“ eingeschaltet ist. Auf dem iPhone gibt es keine direkte Entsprechung; hier lohnt sich das regelmäßige Aufräumen unbenutzter Apps.
Tracking und Werbe-IDs
Viele Apps teilen Daten mit Werbenetzwerken, um dich über Apps und Websites hinweg wiederzuerkennen. Dafür nutzen sie eine Werbe-ID, eine Art Kennnummer deines Geräts.
- iPhone: Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Tracking. Schalte „Apps erlauben, Tracking anzufordern“ aus. Dann bekommen Apps automatisch eine Absage, und die Werbe-ID wird nicht weitergegeben.
- Android: Einstellungen > Google > Alle Dienste > Werbung oder Einstellungen > Datenschutz > Werbung. Wähle „Werbe-ID löschen“. Apps erhalten dann statt deiner ID nur Nullen.
Zusätzlich kannst du in deinem Google-Konto unter „Daten und Datenschutz“ die personalisierte Werbung ausschalten und den Web- und App-Aktivitätsverlauf pausieren oder automatisch löschen lassen. Bei Apple steuerst du unter Datenschutz & Sicherheit > Apple-Werbung, ob Apple dir personalisierte Werbung im App Store zeigt.
Standortverlauf und Ortungsdienste des Systems
Neben den Apps sammelt auch das System Standortdaten, um Dienste zu verbessern:
- iPhone: Unter Datenschutz & Sicherheit > Ortungsdienste > Systemdienste findest du Funktionen wie „Wichtige Orte“, Ortungsbasierte Vorschläge und Produktverbesserung. Vieles kannst du abschalten, ohne dass etwas fehlt. „Mein iPhone suchen“ und „Notruf“ solltest du aktiv lassen.
- Android: Der „Zeitachse“ genannte Standortverlauf in Google Maps wird inzwischen auf dem Gerät gespeichert. In den Einstellungen von Google Maps kannst du ihn ausschalten oder alte Einträge automatisch löschen lassen.
Sperrbildschirm: Was Fremde sehen
Auch ohne Entsperren zeigt ein Smartphone oft viel: Nachrichtenvorschauen, Kalendertermine, Steuerzentrale und Sprachassistenten. Wer dein Gerät in die Hand bekommt, kann so private Nachrichten lesen oder sogar Einstellungen ändern.
- Benachrichtigungsvorschau: Stelle ein, dass der Inhalt von Nachrichten nur nach dem Entsperren angezeigt wird. Auf dem iPhone unter Mitteilungen > Vorschauen zeigen > Wenn entsperrt, auf Android unter Benachrichtigungen > Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm > Vertrauliche Inhalte ausblenden.
- Steuerzentrale und Schnelleinstellungen: Auf dem iPhone kannst du unter Face ID & Code festlegen, was im gesperrten Zustand erreichbar ist. Deaktiviere etwa den Zugriff auf die Steuerzentrale, damit niemand den Flugmodus einschalten und so die Ortung verhindern kann.
- Diebstahlschutz: Beide Systeme haben inzwischen Schutzfunktionen gegen Diebe, die deine PIN ausspioniert haben. Auf dem iPhone heißt sie „Schutz für gestohlene Geräte“, auf Android „Diebstahlschutz“. Schalte sie ein.
Messenger, Browser und Cloud
Messenger
Nicht jeder Messenger ist gleich datensparsam. Signal und Threema sammeln sehr wenige Metadaten, WhatsApp verschlüsselt Nachrichten zwar Ende-zu-Ende, teilt aber Metadaten mit dem Mutterkonzern. Unabhängig davon, welchen du nutzt, kannst du in den Datenschutz-Einstellungen festlegen, wer dein Profilbild, deinen Status und deinen „Zuletzt online“-Zeitpunkt sieht, und ob Fremde dich zu Gruppen hinzufügen dürfen.
Browser
Im Browser hilft es, Cookies von Drittanbietern zu blockieren und Tracking-Schutz zu aktivieren. Safari macht das standardmäßig. In Chrome findest du die Optionen unter Einstellungen > Datenschutz und Sicherheit. Browser wie Firefox Focus oder DuckDuckGo löschen nach jeder Sitzung alles.
Cloud-Backups
Backups in der Cloud sind praktisch, enthalten aber sehr viele Daten. Auf dem iPhone kannst du den „Erweiterten Datenschutz für iCloud“ aktivieren, dann sind fast alle iCloud-Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt und auch Apple kann sie nicht lesen. Wichtig: Dann musst du einen Wiederherstellungsschlüssel oder Wiederherstellungskontakt sicher aufbewahren, sonst kommst du im Notfall selbst nicht mehr an deine Daten. Android verschlüsselt Backups mit deiner Bildschirmsperre.
Fotos vor dem Teilen bereinigen
Viele Fotos enthalten im Hintergrund Ortsangaben, die sogenannten EXIF-Daten. Wer das Bild bekommt, kann damit unter Umständen sehen, wo es aufgenommen wurde, etwa bei dir zu Hause.
- iPhone: Tippe beim Teilen oben auf „Optionen“ und schalte „Ort“ aus.
- Android: In Google Fotos kannst du beim Teilen den Standort entfernen oder in den Einstellungen festlegen, dass der Standort beim Teilen generell nicht mitgeschickt wird.
Messenger wie WhatsApp und Signal entfernen Ortsdaten aus gesendeten Bildern meist automatisch, beim Versand per E-Mail oder als Datei bleiben sie aber oft erhalten.
Dein 30-Minuten-Datenschutz-Check
- Datenschutz-Zentrale öffnen und den Bericht der letzten Tage ansehen.
- Standortzugriff aller Apps prüfen: „Nie“ oder „Beim Verwenden“, genaue Position nur wo nötig.
- Fotozugriff auf „Ausgewählte Fotos“ umstellen, wo möglich.
- Mikrofon und Kamera nur für Apps mit klarem Zweck erlauben.
- Tracking-Anfragen abschalten bzw. Werbe-ID löschen.
- Personalisierte Werbung im Google-Konto oder bei Apple ausschalten.
- Nachrichtenvorschau auf dem Sperrbildschirm ausblenden.
- Diebstahlschutz einschalten.
- Apps löschen, die du nicht mehr nutzt.
Wiederhole diesen Check etwa alle sechs Monate und immer, wenn du viele neue Apps installiert hast.
Datenschutz für Kinder und Ältere
Wenn du das Smartphone eines Kindes oder eines älteren Familienmitglieds einrichtest, lohnt sich besondere Sorgfalt. Kinder installieren gern Spiele, die viele Rechte verlangen, und ältere Menschen bestätigen Abfragen oft, ohne sie zu lesen, weil sie nicht stören wollen. Gehe die Berechtigungen deshalb gemeinsam durch und erkläre, warum eine App etwa keinen Zugriff auf das Mikrofon braucht. Mit der Familienfreigabe von Apple oder Google Family Link kannst du bei Kindern zusätzlich festlegen, dass neue Apps erst nach deiner Zustimmung installiert werden.
Häufige Fragen
Hört mein Handy ständig mit? Sprachassistenten warten auf ihr Aktivierungswort, verarbeiten aber laut den Herstellern nichts, bevor es fällt. Ein dauerhaftes heimliches Abhören durch normale Apps würde die Systeme anhand der Mikrofonanzeige verraten. Wenn dich der Gedanke stört, kannst du den Sprachassistenten oder sein Aktivierungswort abschalten.
Reicht es, den Standort komplett auszuschalten? Das ist möglich, aber unpraktisch, weil Navigation, Wetter und die Gerätesuche dann nicht mehr funktionieren. Besser ist es, den Standort eingeschaltet zu lassen und den Zugriff pro App zu steuern.
Bringen VPN-Apps mehr Datenschutz? Ein VPN verschlüsselt die Verbindung zum VPN-Anbieter, verschiebt das Vertrauen aber nur von deinem Internetanbieter zu diesem. Gegen Tracking durch Apps hilft es nicht. Kostenlose VPN-Apps finanzieren sich oft selbst durch Daten.
Fazit
Datenschutz am Smartphone ist kein Hexenwerk. Die größten Hebel sind bewusst vergebene App-Berechtigungen, besonders für Standort, Fotos und Mikrofon, das Abschalten von Tracking und Werbe-ID und ein Sperrbildschirm, der nichts Privates verrät. Mit einer halben Stunde Aufwand schließt du die meisten Datenlecks, und dein Handy bleibt dabei genauso nützlich wie vorher.